Sizilien ist nicht Italien, Sizilien ist schillernder und bunter, es ist die Brücke zwischen Europa und Afrika. Und nirgendwo ist man den europäischen Ursprüngen näher als hier an der einstigen Grenze zwischen Morgenland und Abendland. Griechen und Römer rangen mit den Karthagern um den Besitz der Insel, Araber machten aus Sizilien eine blühende Kulturlandschaft, und Normannen eroberten sie dann wieder fürs Christentum zurück. Alle diese Herrscher haben Zeugnisse ihrer Kultur hinterlassen. Zum Beispiel die Tempel von Agrigent und Selinunt, sowie die Theater von Tyndaris, Eraclea Minoa und Taormina aus der großgriechischen Zeit. Oder die von den Römern errichteten Amphietheater von Syrakus und Catánia. Aus der byzantinischen sowie arabischen Epoche sind wenige Spuren erhalten. Erst den normannischen Bauten war es wieder vergönnt, die Wirren der Jahrhunderte zu überdauern.

Jenseits der Städte wandelt man in Sizilien auf weitgehend unberührten Pfaden. Im Frühjahr verwöhnt den Besucher ein sonniges Inselklima, dass Zitronen-, Orangen- und Mandelbäume blühen lässt. In den Sommermonaten hingegen lässt die Hitze das öffentliche Leben fast erstarren. Dies wird besonders deutlich im stickigen Palermo mit seinem riesigen Industriegürtel. Gerade 140 Kilometer ist Siziliens Hauptstadt von Afrika entfernt. Hier muten christliche Kirchen mit ihren reichen Verzierungen orientalisch an, preisen Marktleute exotisch bunte Gewürze an und verkaufen das arabische Hirsegericht ‘Cous Cous’.

In keinem anderen Teil Italiens ist die Armut so sichtbar, sind die Straßen so grau, dreckig und verwahrlost, ist der Verfall der Altertümer so deutlich wie auf Sizilien. Die nötigen Gelder für Renovierungen und Neubauten versickern noch immer in dunklen Kanälen - jedes Jahr Milliarden von Euro. Auch wenn eine sizilianische Geburtsurkunde nicht unbedingt gleich kommt mit einer Aufnahme in die ‘Ehrenwerte Gesellschaft’, ist die Mafia auf Sizilien doch allgegenwärtig. Ein Beziehungssystem gegenseitiger Gefälligkeiten und Abhängigkeiten hält die Insel fest im Griff.

Die sizilianische Küche besticht besonders durch ihre Vielseitigkeit und die Anbindung an italienische Traditionen.

Bei den Vorspeisen sind besonders gefüllte Reisbällchen (Arancini) und eine aus Brotteig bestehende Pizza üblich. Pastagerichte werden gerne mit Sardinen oder Auberginen angereichert.

Zwei weitere Spezialitäten sind in den ländlichen Regionen der Farsu magru, ein reichhaltig gefüllter Rollbraten sowie gefüllte Fische an der Küste. Besonders beliebt sind auch Süßspeisen wie die Cassata, eine farbenfroh dekorierte Torte und die Frutta martorana, Früchte aus Marzipan.

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